Michaela Merz

Magda erzählt mir ihre Geschichte

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Magda erzählte mir die Geschichte, die mehr als 50 Jahre zurücklag. Magda war damals nicht einmal 10 Jahre alt. Sie war sehr klein und dünn und die Leute schätzten sie um 3 bis 4 Jahre jünger als sie es tatsächlich war. In der Nachbarschaft gab es viele Kinder mit denen Magda spielte. Eine von ihnen war Elena. Magda mochte Elena nicht besonders aber bei Gruppenspiele waren immer beide dabei. Sie waren fast gleich alt aber Elena war fast um zwei Köpfe grösser als Magda und dazu etwa 15 Kilo schwerer.

Bei einem Streit, wie es ihn zwischen Kindern gibt, nahm Elena Magda ihre Puppe weg und hielt sie hoch in die Luft, so das Magda sie nicht erreichen konnte. Magda sprang hoch aber Elena lachte nur, weil sie wusste, dass Magda keine Chance hatte. Magda war mittlerweile ziemlich wütend und schlug gegen Elena. Die überraschte Elena liess die Puppe zu Boden fallen und stand mit dem Fuss auf deren Gesicht. Magda wurde fast schwarz vor den Augen vor Wut. Ihre Lieblingspuppe im Dreck, vielleicht zerstört. Magda begann gegen Elena zu schlagen aber die grössere Elena hielt ihre Arme gestreckt und verunmöglichte es Magda sie mit den kleinen Fäusten am Körper zu treffen. Magda änderte die Strategie und begann Elena an den Armen heftig zu kratzen. Elena schrie von Schmerz und es dauerte nicht lange und sie ist weinend weggerannt. Magda hob ihre Puppe von Boden. Das Plastikgesicht der Puppe war eingedrückt, ihr Kleidchen war zerrissen und die Puppe dreckig.

Magda putzte ihre Puppe. Es dauerte fast eine Stunde bis es ihr gelungen ist das Plastikgesicht der Puppe wieder in seine ursprüngliche Form zu bringen. Mit dem Kleid könnte sie nichts machen. Als sie nach Hause kam, bestellte ihre Mutter sie in der Küche zum Gespräch.

Die Mutter von Elena war bereits bei ihrer Mutter vorbeigekommen und hat sich über Magda beschwert. Da beide Mütter sehr eng befreundet waren und sich sehr gut verstanden hatten, bekam Magda nicht mal eine Chance ihren Teil der Geschichte zu präsentieren. Magda musste sich bücken und wurde von der Mutter mit dem Holzlöffel 10-mal auf den Hintern geschlagen. Es tat dort weh aber nicht so wie der Seelenschmerz, den Magda erlitt. Sie verteidigte sich doch nur gegen Elena, sie verteidigte nur ihre Puppe. Und was geht es die Mütter überhaupt an, das war doch Angelegenheit zwischen ihr und Elena. Die Ungerechtigkeit der Schläge, die Demütigung von damals waren noch heute nach 50 Jahren aus der Erzählung zu spüren.

Es führte dazu, dass Magda auch kein wirkliches Vertrauensverhältnis zu ihre Mutter aufbaute. Aber es führte auch dazu, dass sie kein einziges Mal in ihrem Leben eines ihrer vielen Kinder geschlagen hat. Sie hatte ihre Lektion der Ohnmacht gelernt.

Bildquelle: www.pascalcorbat.com

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