Michaela Merz

Björn

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Das Arbeitsleben hat eine enorme Wichtigkeit. Es ist nicht nur die Quelle der Einnahmen, sondern für viele auch der Ort der Verwirklichung. Die Arbeit strukturiert unsere Tage und Monate, bringt uns wenn alles gut läuft Anerkennung und Bestätigung. Da wir so viel Zeit bei der Arbeit verbringen, kennen wir oft die Kollegen und ihre Sorgen und merken es ihnen an, wenn der Hausfrieden schief hängt. In den letzten 10 Jahren habe ich mehr Zeit mit einigen meinen Mitarbeitern verbracht als mit meinen eigenen Eltern.

In den letzten 4 Jahren verbrachte ich sehr viel Zeit mit Björn. Wir hatten gemeinsam einen sehr komplexen, grenzüberschreitenden Fall bearbeitet. Der Fall war fast aussichtslos und die Chancen auf Erfolg versanken im Keller. Wir zerbrachen uns die Köpfe in endlosen Diskussionen um die Nadel im Heuhaufen zu finden. Und das unglaubliche geschah, wir haben “die Nadel” 5 Minuten vor 12 gefunden. Ich mag mich gut an den Tag erinnern. Wir sind zusammen mit dem Auto aus Zürich nach Deutschland gefahren und haben die Idee über mehrere Stunden diskutiert. Mit jeder Minute wurde klarer, dass wir tatsächlich einen Ausweg gefunden hatten.

Ich habe Björn sehr gemocht. Er verkörperte für mich alle Eigenschaften, die man sich bei einem Kollegen, einem Freund wünscht. Er war grundehrlich, aufrecht, äusserst fair und immer zuverlässig. Er war für mich die Verkörperung der korrekten Moral, die er konsequent umsetzte und lebte. Wenn ich ihn brauchte, meldete er sich sofort und war Mitten in der Nacht bereit, mit mir meine verrückten Einfälle durchzudenken und ausgiebig am Telefon zu diskutieren. Ich habe ihn gemocht und sein Wissen bewundert. Es stimmt, dass wir uns wirklich nur ein paar Mal im Leben und immer nur im Rahmen unserer Arbeit gesehen haben. Es war nicht mehr als 2 mal pro Jahr aber seit unserer ersten Begegnung in Berlin, wo wir versuchten ein kniffliges Problem zu beseitigen, habe ich das Gefühl gehabt ich kenne ihn seit eh und je.

Ich habe ihm bedingungslos Vertraut und er hat mich kein einziges Mal enttäuscht. Dazu hatten wir zwei zusammen immer sehr viel zu lachen. Unsere Zusammenarbeit war einfach toll, geprägt durch gegenseitige Schätzung und Kreativität gepaart mit einem grenzenlosen Willen, das beste Resultat zu erreichen.

Vor 10 Tagen hat mich die Nachricht erreicht, dass er gestorben ist. Ich wusste, dass es wahr ist aber weigerte mich es zu akzeptieren. Das durfte einfach nicht wahr sein!!! Ich wünschte mir, die Zeit zurückzudrehen und ihm alles das noch sagen zu können. Ich habe mich bei ihm in der Vergangenheit immer bedankt aber ich habe ihm wahrscheinlich nie gesagt, wie toll ich ihn fand und wie sehr ich ihn schätzte. Jetzt ist es zu spät. Eines der Versäumnisse die man nicht mehr korrigieren kann.

Ich habe geweint und es fehlten mir die Worte um meine Trauer auszudrücken. Eine grenzenlose Trauer breitete sich in meinem Inneren und erstickte alle anderen Gefühle. Ich habe viele Fragen, die wie ich weiss, unbeantwortet bleiben. Warum habe ich nicht realisiert wie ernst seine Lage ist? Warum habe ich mich nicht getraut direkt zu fragen, obwohl ich wusste, dass mit seiner Gesundheit etwas nicht stimmt? Warum wusste ich nicht mehr aus seinem Privatleben obwohl wir so viele Stunden zusammen gearbeitet hatten?

Das Leben scheint mir mal wieder ungerecht und unfair. Und obwohl ich weiss, dass das Leben nicht gerecht und fair ist, fand ich es im Zusammenhang mit seinem Tod zum Verzweifeln.

Unser letztes gemeinsames persönliches Treffen, war ein Gang diesen Juni zur Behörde. Es war eine gute Besprechung, die neue Wege aufzeichnete. Wir haben viel gelacht. Mir bleibt dieses Bild des lachenden Björn vor Augen. Ich bin froh darum.

Was ich ihm noch Schulde ist unseren grossen Fall abzuschließen. Ich bin dran, für uns, für ihn. Die Trauer um ihn ist in meinem Inneren. Aber auch die Dankbarkeit für die Zeit mit ihm, ihn als Kollege zu haben, als zuverlässigen Partner.

Lieber Björn, meine Worte werden dich nicht mehr erreichen, für die ist es zu spät. Für die Gedanken vielleicht nicht und die haben einen mächtigen Auftrieb.

Mach‘s gut und vergiss nicht – auf mich kannst du dich immer verlassen. Du fehlst mir sehr!

 

Bildquelle: Oliver Mohr  / pixelio.de

One thought on “Björn

  1. Eine schöne Hommage an Björn! Es stimmt jedes Wort dass du schreibst! Es ist manchmal wirklich unfair dass es immer die Guten trifft. Ich hatte die Zusammenarbeit mit ihm auch immer sehr geschätzt. Auch ich werde ihn sehr vermissen!

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