Michaela Merz

Das Feuer

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Ich sehe mir die Bilder der Waldbrände an und muss denken, wie es ist wenn man alles was man aufgebaut hat innerhalb von kurzer Zeit verlassen und dem Niedergang überlassen muss. Und das ist wahrscheinlich immer noch das günstigere Szenario, als um das eigene Leben fliehen zu müssen.

Da ich mein Leben in Gegenden verbrachte wo es an Regen nicht gemangelt hatte, konnte ich mir nie so richtig vorstellen, wie schnell so etwas vor sich geht. Trotzdem wurde mir von zu Hause ein sehr vorsichtiger Umgang mit jeder offener Feuerquelle beigebracht. Das einzige beängstigende Erlebnis aus meiner Kindheit war, als mich meine Eltern im Ferienhaus mitten in der Nacht geweckt hatten. Ich musste Mütze, Hose, Pullover und Handschuhe anziehen und nach draußen um frische Luft zu atmen um danach bekleidet wieder weiter schlafen zu können. Es war November und die Fenster unserer Schlafzimmer waren weit offen. Der Brenner der Benzinheizung, im einzigen beheizten Zimmer wo wir alle schliefen, spielte verrückt und es fehlte nicht viel und wir wären alle in den Gasen erstickt, wäre meine Mutter nicht rechtzeitig erwacht. Aber das hat irgendwie weniger mit Feuer als eher mit fehlendem Feuer zu tun.

Jetzt bin ich wieder im Tessin und kann da der andere Umgang mit Feuer und die Spuren der Waldbrände beobachten. Es ist Oktober. Die Nächte sind kühl, der See hat sich abkühlt und nur die paar wenigen Hartgesottenen wagen sich noch zu schwimmen. Ich bin unterwegs mit meinem Stand up Paddle, entsprechend gekleidet und genieße die Sonne, die herrliche Temperaturen um die 20 Grad und die Ruhe. Wellen gibt es nicht viele weil sehr wenige Bote unterwegs sind. So unterwegs auf dem Wasser will ich jetzt jeden Tag sein. Um mein aufblasbares Brett nicht jedes Mal einzuräumen und am nachfolgenden Tag wieder aufblasen zu müssen, lasse ich es angekettet am Steg über die Nacht stehen.

Am nächsten Morgen komme ich aus dem Staunen nicht raus. Der Steg ist über Nacht teilweise abgebrannt und zwei Feuerwehrautos mussten kommen um des Feuers Herr zu werden. Mein aufblasbares Brett hat einfach Glück gehabt. Er steht immer noch da, angekettet und unversehrt. Es fehlte aber nicht viel und es hätte wie der Plastiktrog geendet, der sich am Anfang des Stegs befand und der jetzt wie eine bizarre Skulptur zu einem Klumpen verschmolzen ist. Die Arbeiter sind schon dran die Spuren zu beseitigen und der Steg wieder begehbar zu machen.

Es war eine sorglos weggeworfen Zigarette. Nie hätte ich gedacht, dass so was so einfach und schnell geht, dazu noch bei einem Steg aus massivem Holz der sich oberhalb des Wassers befindet.

Den Respekt dem Feuer gegenüber braucht es. Und ein bisschen Glück auch.

 

 

 

 

 

Bildquelle: Bild “Feuer”: 110stefan  / pixelio.de

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