Michaela Merz

Die Frauenquote

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Judith Alexander_IRE_2016_MB_08.jpgWoman wearing black standing at a counter using a laptop, PC or computerMeine Tochter ist gegen die Frauenquote. Sie ist noch sehr jung und in diesem Dingen naiv, ich war es auch. Ich versuchte ihr zu erklären, warum ich die Seite bei dieser Frage wechseln musste.

Meine Klasse auf dem Gymnasium war bis auf 7 Kollegen weiblich und wir waren damals 36 Studenten in der Klasse. Die Professoren mehrheitlich weiblich, bis auf die die 2 exotischen männlichen Professoren und die waren eher sonderbar. Der Professor für Chemie hat schon meine Mutter unterrichtet und basierend auf dem was sie mir erzählt hat, hat er alle seine Makel und Schwächen nicht nur beibehalten sondern noch verstärkt (aber passiert das uns nicht allen?). Der Professor für Geologie vermochte in keiner Art und Weise irgendwelche Begeisterung für seine Materie zu erwecken. Somit sind meine Kenntnisse in beiden Bereichen trotz grossem Interesse und Neugier extrem rudimentär geblieben.

An der Hochschule war meine Studiengruppe auch eher weiblich. Als Studentin habe ich während allen meinen Ferien gearbeitet, sehr oft am Wochenende und sogar unter Woche. Nein ich hatte keine ausgefallenen Wünsche, die sehr viel Geld benötigten, sondern arbeiten hat mir schon immer Spass gemacht, egal was das war. Da kamen die ersten Berührungen mit den geschlechtsspezifischen Arbeitswelten. In der Konditorei wie auch als Sommerlagererzieherin oder Reiseleiterin war es die eher mir bekannte Welt mit den weiblichen Normen. Mein Einsatz an der Tankstelle hat mich in die Welt der „echten Kerle“ eingeführt und mir gezeigt, dass männliche Kollektiven anderen Regeln unterliegen. Nach Abschluss der Universität bin ich in eine Welt der Zahlen und des Rechts eingetreten, wo die Hälfte der Angestellten weiblich war aber die Chefs so gut wie alle Männer. Weiblich sozialisiert bin ich in der männlichen Welt gelandet.

Mit dem Lauf der Zeit hat es sich angefangen leicht zu ändern. Ich ziehe keine Statistiken als Beweis, sondern die sich ändernde Struktur meiner Ansprechpersonen bei meinen Kunden. Heute ist etwa ein Drittel von meinen Kunden weiblich, wesentlich mehr als noch vor 20 Jahren. Nur auch nach 20 Jahren ist es noch lange nicht mal die Hälfte. Heute ist mir die aktuelle Publikation des Bundesamtes für Statistik in der Schweiz in die Hände gekommen:

(http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/news/publikationen.html?publicationID=7172).

Es stand da schwarz auf weiss, dass in den letzten 20 Jahren der Anteil der Paare, bei denen der Mann besser ausgebildet ist als die Frau deutlich gesunken ist. Der Anteil der Paare mit gleichwertiger Ausbildung ist gestiegen von 56% im Jahre 1990 auf 58% im Jahr 2010 wie auch der Paare wo die Frau besser ausgebildet ist.

Aber um eine erfolgreiche und grosse Karriere machen zu können reicht es heute bei der Mehrheit der Frauen immer noch nicht. Eine von den grossen Bremsen sind die eigenen Kinder. Entweder man organisiert sich bis auf die letzte Minute genau und zahlt ein Vermögen für Betreuung und Hilfe im Haushalt, ohne es von den Steuern vollständig abziehen zu können. Oder man reduziert sein Pensum und bremst so seine berufliche Entwicklung. Mit Teilzeitarbeit kann man viel erreichen, aber es ist wie bei den grossen Talenten im Musikgeschäft. Es macht ein Unterschied, ob man pro Tag 4 oder 10 Stunden auf dem Instrument übt. Es wäre aber ungerecht alles auf die eigenen Kinder zu schieben. Eine grosse Karriere braucht auch ein Coach und Förderer. Jemand der sich für dich einsetzt, jemand der Dich auf DIE Möglichkeit aufmerksam macht und mit seinem Namen für Dich bürgt oder Dich überhaupt vorschlägt und empfiehlt. Und da die Mehrheit derer, die diesen Einfluss haben, heute wie vor 20 Jahren Männer sind, ist es nur logisch, dass es heute einen Mann dazu braucht. Aber fördern die Männer die Frauen wirklich? Die Wissenschaft hat nachgewiesen, dass heterogene Gruppen bessere Resultate erbringen als homogene und trotzdem sind die Verwaltungsräte und Geschäftsgremien mehrheitlich männlich obwohl es an der Ausbildung der Frauen nicht liegen kann. http://www.schillingreport.ch/de/home

Ich erlebe in Bewerbungs- und Mitarbeitergesprächen immer wieder, dass die Frauen ihre Leistungen und Fähigkeiten unterspielen und unterbewerten – es wird über WIR anstelle ICH gesprochen. Bei den Männern ist es umgekehrt – sie bewerben sich für Jobs, wo sie ungenügende Qualifikation haben und um einen höheren Lohn nachzufragen fällt ihnen einfacher. (Nicht allen, einfach prozentuell gesehen).

Vor mir liegt die gedruckte Broschüre “Weiterbildungsangebote von EXPERTsuisse, Oktober – November 2016”. 37 Seiten von Ausbildungsangeboten voll von Referenten. Ich begann es durchzublättern und sah nur Männer, obwohl die Hälfte in diesem Berufstand Frauen sind. Da habe ich mir die Mühe genommen und bin die ganze Broschüre durchgegangen und entdeckte drei Frauennamen (ohne Bild). Die Frage drängt sich auf warum ist es so? Gibt es keine gute Frau um zu referieren? Hat sie niemand gefragt? Sind sie überhaupt erwünscht?

Früher war ich gegen Quoten in der Annahme, dass wenn man nur gut genug ist, wird es die Frau auch ohne Quoten schaffen. Es gibt die Ausnahmen aber es sind immer noch nur Ausnahmen. Hätte es die Männerwelt ehrlich mit der Frauenförderung gemeint, wäre die Hälfte in Entscheidungsgremien heute weiblich. Oder gilt die gaußsche Normalverteilung in bestimmten Bereichen nicht? Und solange die Männerwelt es nicht wirklich mit der Frauenförderung ernst meint, weil Gleich und Gleich gesellt sich gern – und das betrifft nicht nur Hobbies, Ausbildung sondern auch das Geschlecht – bleibt mir nichts anderes übrig als das Lager zu wechseln und für die Frauenquote zu plädieren.

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