Michaela Merz

Damencoiffeur

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748195_web_R_K_B_by_I-vista_pixelio.deIch gehe paar Mal pro Jahr. Mein Coiffeur Mauro ist ein italienische “Zauberer”, der jeder seiner Kundinnen das Gefühl gibt eine Königin zu sein. Das ist angenehm und fühlt sich toll an.

Ich war letzten Samstag. Mauro war hinreissend wie immer. Er begrüsste mich wie eine lang nicht gesehene Familienfreundin und kümmerte sich um mich, wie wenn ich die wichtigste auf dieser Erde wäre. Meistens nutze ich den Besuch beim Coiffeur um Fachliteratur zu lesen, aber dieses Mal war es kaum möglich. Der Laden ist ein grosser heller Raum, wo bis zu 5 Kunden Platz haben. Es gab nur 3 Kundinnen inklusive mich, aber die Dame neben mir war so laut und redete ohne Unterbrechung, dass eine Konzentration auf das Gelesene kaum möglich war.

Ja ich weiss, mit dem Coiffeur kann man über die Jahre aufbauen eine recht enge Beziehung und man kann einiges über einander wissen. Ich weiss von Mauros 2 Söhnen wie auch von seiner kürzlich renovierten Ferienwohnung in den Bergen. Aber ich als unbeteiligte habe wenig Lust Details aus dem Eheleben, Streitigkeiten mit den Nachbarn oder der Schulpflege sowie weitere persönliche Krisen anderer Kundinnen zu erfahren. Nur, wenn die Lautstärke zu hoch ist, kann sich dem in dem einzigen Raum niemand entziehen.
Ich habe es wie so oft mit dem Ohrenstöpsel gelöst, aber ehrlich gesagt, die vermochten den aufdringlichen Schwall der Worte nur zu dämpfen, aber nicht zu eliminieren.

Ich mag mich erinnern wie ich damals, noch nicht mal 20 Jahre alt, mit einer Gruppe von gleichaltrigen Kollegen mit dem Zug unterwegs war. Wir waren zu sechst. ‎Das Zugabteil war für 8 und neben uns sassen dort noch zwei uns unbekannte Männer. Da wir damals sehr oft Bücher zusammen diskutierten, schlug einer von unseren Kollegen vor, einige zentrale Kapitel aus dem Buch Catch 22* vorzulesen und anschliessend zu diskutieren. Er begann leise zu lesen. Es war eine spannende Lektüre. Etwa nach 20 Minuten sagte plötzlich einer der zwei Männer “Bitte hören sie sofort auf. Ich kann dem nicht mehr zuhören.“ Wir waren alle verdutzt, aber gleichzeitig erschrocken. Unser Vorleser klappte das Buch zu und in unserem Abteil breitete sich Schweigen aus.

Es ist Jahrzehnte her, aber ich mag mich an die Situation erinnern wie wenn es gestern gewesen wäre. ‎Ja, das gesprochene kann verletzend oder belästigend sein, auch wenn es nicht an einen selber persönlich gerichtet ist.

Seien sie so nett und rufen Sie im Tram oder im Bus nicht zu Hause an, um zu sagen, dass Sie im Bus oder Tram sitzen und in 20 Minuten zu Hause sind. Benutzen sie WhatsApp. Ihre Umwelt wird Ihnen dankbar sein.

 

*Catch 22 ist der Erstling von Joseph Heller über die Absurdität des Krieges. Hauptman John Yossarin versucht durch Krankschreibung nach Hause geschickt zu werden, eine obskure Regel genannt Catch 22 macht es mit paradoxen Begründungen unmöglich.

 

Bildquelle: l-vista / pixelio.de

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