Michaela Merz

Die Eifersucht – eine Socke und Unterhosen

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infidelity-379565_1280 (1)Wir haben uns mit der ehemalige Schulklasse getroffen. Das war witzig und machte mich gleichzeitig nachdenklich. Ich ging durch der Raum schloss mich verschiedenen Gruppen an und ging weiter wie alle anderen. Irgendwann im Verlauf des Abends sass ich mit Martin und Elena bei einem Glas Wein in der Ecke und wir kamen auf das Thema Eifersucht zu sprechen.

Martin erzählte, dass seine Frau, die etwas jünger ist als er und mit der er zwei schulpflichtige Kinder hat, in seinem Auto bei einer gemeinsamen Fahrt eine Damensocke fand. Das was folgte, war ein dramatischer Auftritt seiner Frau in aller Öffentlichkeit, da sie gerade bei einer Tankstelle standen, für die sich nicht einmal das National Theater hätte schämen müssen. Martin stand neben dem Auto, ratlos und beschämt wegen all der fremden Zuschauer und wünschte sich, dass es schnell vorbei geht. Er war sich nicht bewusst, dass irgendjemand diese winzig kleine Nylonsocke in seinem Auto hätte lassen können, da er in letzten zwei Monaten ausser seinen zwei Töchtern nur männliche Geschäftskollegen gefahren hatte.

Nach etwa 15 Minuten gelang es ihm seine Frau zu überzeugen in das Auto einzusteigen und wegzufahren. Den Verdacht der ehelichen Untreue konnte er aber nicht aus dem Weg räumen. All seine Einwände, all seine Verteidigung hat seine Frau gebodigt, kaum hatte er es aussprechen können. Das gemeinsame Leben entwickelte sich zur Hölle. Martin löste das Problem mit noch mehr arbeiten und rannte aus der gemeinsame Wohnung wann immer es möglich war. Seine Frau kochte emotional und schien zu überzulaufen wie ein Dampfkochtopf und es schien, dass die Zeit ihre Wut auch nicht linderte.

Plötzlich erinnerte sich Martin, dass er tatsächlich vor etwa drei Monaten die Nachbarin seiner Mutter mit dem Auto mitgenommen hatte. Die Nachbarin seiner Mutter ist 70 Jahre alt, kugelrund, witzig und verständnisvoll. Die beiden kennen sich seit Martin auf der Welt ist. Martin rief sie an und fragte sie, ob sie nicht einen Nylonsocken in seinem Auto verloren hat. Sie dachte nach, bestätigte, dass sie solche Socken trägt und dass sie immer ein Ersatzpaar in ihrer Handtasche trägt. Somit wäre es möglich, dass sie die Socke bei ihm verloren hat, aber sie konnte sich nicht wirklich erinnern.

Martin, von Beruf Chemiker dachte, dass eine DNA Analyse helfen könnte um die Socke der Nachbarin zuzuordnen. Aber die Socke, die seine Frau immer noch aufbewahrte, war sauber und gewaschen, so dass diese Möglichkeit ausschied. Martin präsentierte jedoch trotzdem die Erklärung seiner Frau und die willigte nach zwei zusätzlichen Abenden nervenraubender Diskussionen und einer exklusiven Hermes-Tasche, für die Martin seine für ein neues Rennvelo gedachte Finanzreserve opferte, ein das Kriegsbeil zu begraben. Ganz vertraute sie Martin aber eigentlich nicht.

Martin erzählte es so lustig, dass wir lachen mussten. Er fügte aber hinzu, dass die paar Wochen gar nicht lustig gewesen waren. Ich fragte mich, ob es in der Vergangenheit etwas gegeben hatte, was seiner Frau zu solcher Eifersucht Anlass gab, und so wie ich Martin kannte, wäre es gut möglich, aber ich traute mich nicht zu fragen.

Elena lachte sehr und sagte, dass ihr so etwas leider nicht passieren kann und Martin kickte sie dafür leicht unter dem Tisch. Elena sagte, dass ihr Mann ein Wissenschaftler sei und das Alltagleben gehe an ihm völlig vorbei. Eifersucht und soziale Kompetenz gehören nicht zu seinen starken Seiten. Als ihr Mann vor zwei Jahren auf einem internationalen Projekt gearbeitet hatte, fuhr er immer am Montag am Morgen weg und kehrte am Freitagabend zurück. Seine Kleider hat er selber während dieses Projektes oft auswärts gewaschen. Eines Samstagmorgen kam er zu ihr und drückte ihr einen Damenslip Grösse 38 in pink in die Hand. Er sah sie vorwurfsvoll an und sagte, dass ihre Unterhosen in seinen Sachen gelandet sind. Elena schaute die Unterhose an. Sie selber ist eine eher üppige Dame und trägt Kleidergrösse 42. Dazu kommt, dass all ihre Unterhosen ohne Ausnahme weiss und aus Baumwolle sind. Ihre Unterhosen sind gross, bequem und praktisch. Und das die letzten 10 Jahren. Die Möglichkeit, dass dieser winzige Damenslip ihrer sein könnte oder je war, war so gut wie ausgeschlossen. Elena stand da und begann zu lachen. Es wurde ihr wieder mal klar, dass ihr Mann ausser seiner Wissenschaft kaum ein Auge für irgendetwas hat. Die Möglichkeit, dass er fremdgehen könnte, schloss sie kategorisch aus. Sie sagte ihm, dass es nicht ihre Unterhose sei und fragte ihn wem die Unterhosen gehörten. Er schaute die Unterhosen mit absolutem Unverständnis an und runzelte der Stirn. “Bist du fremdgegangen?”, fragte ihn Elena und musste ihr Lachen unterdrücken, damit die Frage ernst wirkte. “Ich bitte dich.” sagte er empört und schaute sie vorwurfsvoll an. Damit war die Geschichte mit der Unterhose abgehakt und das Stück Stoff landete im Abfall.

Martin schaute Elena mit Respekt an und sagte, “das hätte bei uns für eine Scheidung gereicht.” Nun, verschiedene Ansätze führen zu verschiedenen Resultaten. Aber als ich es mir anhörte, hatte ich keine Lust mit einem von beiden zu tauschen.

Bildquelle: pixabay.com

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