Ich habe beide Städte zum ersten Mal besucht. Und obwohl ich einiges über sie gehört und gelesen hatte, war ich nachhinein gesehen auf keine von beiden vorbereitet.
Alle Bekannten schwärmten von Hongkong. Vielleicht war meine Erwartung dadurch zu hoch, aber ich war enttäuscht. Hongkong im Dezember war kalt, laut, unfreundlich und hektisch. Die Menschenmassen, Andrang und wenig Lebensfreude haben mich traurig und wütend gemacht. Ich wurde unzählige Male durch kleine Händler auf der Strasse belästigt, die versuchten mir Uhren und massgeschneiderte Anzüge zu verkaufen. Jede Sehenswürdigkeit liess sich nur nach stundenlangem Warten besichtigen und zeigte sich im Verhältnis zu der im elendslangen Stau investierten Zeit nur bedingt sehenswert. In Hongkong ist die Disziplin des Wartens sehr hoch. Die Reihen, die sich zum Einstieg in U-Bahnwagons bilden, sind wie mit dem Lineal gezogen. Niemand ist ungeduldig, niemand schubst. Den einzigen ruhigen Ort fand ich in Space Museum. Das wollte fast niemand sehen.
Trotz beindruckendem Feuerwerk an Silvester, toller Aussicht auf die vielen Hochhäuser, Hafen und Meer war ich froh, die Stadt wieder verlassen zu können.
Bei Shanghai erwartete ich das gleiche und wurde sehr überrascht. Ich habe noch nie eine so riesige Stadt gesehen, die so ruhig wirkt und eigentlich die Hälfte des Tages mucksmäuschenstill sein kann. Unglaublich, aber wahr!! Es gibt breite Strassen und Trottoirs, die fast menschenleer sind, Geschäfte, wo man am Vormittag der einzige Kunde ist, und das alles im Zentrum der Stadt. Es gibt Hochhäuser, abgezäunt und bewacht, alte Viertel mit engen Gässlein, wo sich das Leben draussen abspielt – ich sah Kinder, die Hausaufgaben machten, Mütter, die Kinder wuschen, es wurde gegessen, gekocht, Gemüse gebraten, Schildkröten ausgenommen, Motorräder repariert. Auch an grossen Boulevards hing auf zwischen den Baumen gespannten Schnüren Wäsche zum Trocken. Die Parks waren nicht voller Kinder (von denen habe ich nicht viele gesehen), sondern Pensionisten. Beeindruckend war ein Mann von etwa 80 plus, der im Rollstuhl gekommen war, sich mit grösster Mühe aus dem Rollstuhl an einem Turngerät hochzog und langsam turnte. In den Parks wich man auch nicht Hunden, sondern Vögel aus. Leute kommen mit Käfigen und hängen sie auf die Bäume.
Hochmodernes mischt sich mit altem, super teuer mit super billig. Die Stadt ist blitzblank sauber, nirgendwo ein Papierchen und um die Velowege kann man die Stadt nur beneiden. Obendrein ist die Hälfte der abgestellten Velos nicht abgeschlossen. Wahnsinn!
Beim Betreten aller Läden wurde mir nie Aufmerksamkeit gewidmet, ich wurde nicht gegrüsst und es wurde mir nichts angedreht (ausser am Flohmarkt). Nach den aufdringlichen Erfahrungen in Hongkong eine sehr angenehme Überraschung. Der einzig “aufdringliche“ war der Schuhputzer. Aber auch er war nicht wirklich aufdringlich, sondern unendlich nett, gut im Verkauf und endlos geduldig. Meine schwarzen Lederstiefel waren dreckig. Er hat mich hartnäckig, aber mit Abstand und lachend etwa 15 Minuten verfolgt und hat auf meine dreckigen Schuhe gezeigt und entschuldigend gelacht. Die Passanten lachten mich auch entschuldigend an, bis ich endlich nachgab und mir die Schuhe für 10 Yuan putzen lies. Ich beobachtete die Einheimischen bei ihrem Werken und sie lachten mich an und ich sie. Soviel gelacht wie da habe ich schon lange nicht mehr.
Nur eine Sache habe ich nicht verstanden. Warum sind bestimmte Fenster in Hochhäusern in grosser Höhe immer wieder vergittert? Damit man nicht raus kann? Oder damit man nicht rein kann? Für mich macht‘s ab dem 5. Stock weder das eine noch das andere Sinn.
Ich habe mich in dieser aufstrebenden Metropole wohl, sicher und sehr entspannt gefühlt. Gut essen kann man ausserdem und eine chinesische Massage ist einfach himmlisch.
Wenn ich nächste Mal wählen kann, dann lieber nach Shanghai.














