Das Phänomen der leeren Liegenstühle

Meine Ferien sind aktiv und im Hotel verbringe ich nur kurze Zeit zu schlafen. Darum interessieren mich das Innenleben und die Gruppendynamik, die sich in diesen Anlagen entwickelt, nur sehr begrenzt.

Jetzt bin ich mit meinem Jüngsten (5) in den Ferien. Gewählt habe ich ein Familienhotel am Meer mit Schwimmbecken und einer Unmenge anderer Kinder, damit mein Jüngster Anschluss findet.

Das Hotel verfügt über drei Schwimmbecken. Eines für Kinder, eines ausschliesslich für Erwachsene und ein gemischtes. Rund um diese Schwimmbecken stehen unzählige Liegestühle.

Wir haben kaum Zeit einen von ihnen zu benutzen. Wir schwimmen, bauen Sandburgen, fahren Boote, surfen, tauchen, entdecken eben Sachen, die man in den Ferien macht. Zum Ausklang des Tages landen wir in dem gemischten Schwimmbecken. Wir wollen unsere Sachen auf einem Liegenstuhl deponieren, aber es ist nie einer frei. Kein einziger. Nicht dass auf jedem Liegenstuhl eine Person gelegen wäre. Die Liegenstühle sind mehrheitlich menschenleer und nur mit Tüchern, Büchern, Zeitschriften, T-Shirts und Ähnlichem belegt.

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Wir fingen an, es zu beobachten. Zu jeder Tageszeit sind etwa 10% der Liegenstühle mit liegenden Leuten belegt. Nur einmal kurz vor Mittag waren sie zu Hälfte voll. Im Morgengrauen beginnend ab 7 schleichen sich Junge, Alte, Männer und Frauen einzeln zu den Liegestühlen und belegen 2 bis 4 von ihnen mit Gegenständen. Dann verschwinden sie wieder und lassen sich der ganze Tag nicht blicken oder kommen vielleicht für maximal eine Stunde. Wahnsinn!! Was für Unsinn!! Ein Revierverhalten, das sich sonst im Tierreich zum Beispiel bei den Hunden beobachten lässt.

Uns ist es egal. Wir machen uns am Boden breit und lachen über der Stress, der ihnen schon am Morgen entsteht, wenn sie probieren die begehrte Plätze zu ergattern. Gestern haben wir allerdings einen leeren Liegestuhl entdeckt als wir am Abend baden wollten.

Ich habe meinen Rucksack und unsere Tücher darauf gelegt und fing an mein T-Shirt und Shorts auszuziehen. Plötzlich kommt ein dicklicher Mann angerannt.

“Was fällt ihnen ein?“ schreit er uns beide an.“Das ist unser Liegenstuhl, ich habe nur ganz kurz das Tuch, das vorher darauf lag, ausgewechselt“, schreit er weiter.

Ich schaue mich noch mal um. Auf dem Liegenstuhl ist kein Tuch und er hat auch leere Hände.

Ist auch egal, denke ich mir. Wenn das jetzt DAS positive Erlebnis seines Tages sein sollte (ich höre ihn schon, wie er seiner Frau berichtet wie tapfer er den Liegenstuhl verteidigt hat), dann soll er dieses Erlebnis von mir als Geschenk bekommen.

Ich nehme unsere Sachen und wir gehen unter die nächste Palme. Empört schleppt er den Liegenstuhl zu drei weiteren leeren Liegestühlen und belegt den mitgebrachten Liegestuhl sofort mit einem Tuch und legt sich auf ihn. Als wir nach 40 Minuten aus Wasser kamen, lag seine Frau auf dem Liegestuhl. Die anderen drei Liegestühle waren wie so oft leer.

Unglaublich, wie komisch sich die Menschen immer wieder verhalten.

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