Grosszügigkeit

Mein Jüngster ist 5. Die Frühlingsferien haben wir im Tessin verbracht. Einfach herrlich. Abgesehen davon, dass in der Deutschschweiz eine Woche lang die Sonne schien und es im April den ersten tropischen Tag mit Temperaturen von 30 Grad gab. Im Tessin regnete es und wie!! Besser gesagt: Es goss wie aus Kübeln!! Bei Aufhellungen waren wir immer wieder mit den Velos unterwegs mit dem Resultat, dass wir nass bis auf die Unterhosen und durchgefroren nach Hause kamen. Trotzdem hat es sehr viel Spass gemacht.

Die Abende verbrauchten wir auf der Piazza in Ascona. Wir sassen immer draussen, damit ich in Ruhe essen konnte und er spielte mit den Kindern am Ufer verstecki und fangis, mit nur kurzen Pausen, um seine Pizza, Pasta oder ein Risotto zu verschlingen. Und weg war er wieder. Es regnete auch am Abend, aber wir waren draussen versteckt unter dem riesigem Sonnenschirm (der besser Regenschirm heissen sollte).

Er kam mit der Bitte, eine Kugel Glace zu haben. Da wir draussen ziemlich vereinsamt waren und sich alle anderen Gäste drinnen vor Wind und Regen versteckt hielten, war kein Kellner zu sehen. Ich nahm seine Hand und wir gingen hinein. An der Theke wurde Glace angeboten. “Uno scopo Fragola“, bestellte ich.“ Bitte nehmen Sie es auf die Rechnung, wir sitzen draussen.“ Der Kellner nickte und gab uns eine Kugel Erdbeerglace.

Am nächsten Abend haben wir dort wieder zu Abend gegessen. Max spielte mit den Kindern und ich las Zeitung. Als ich zu Ende gelesen hatte, schaute ich, was die Kinder so machen. Sie waren aber nicht da. Ich schaute, stand auf, aber ich konnte kein einziges Kind sehen. Ich wurde leicht beunruhigt. Ich stand auf und ging sie suchen. Ich fand sie alle (etwa 6) hinter einem Kran sitzend und Glace schleckend.

Ich fragte mein Sohn “Woher hast du die Glace bitte her?“

“Habe ich bestellt“, antwortete er seelenruhig und schleckte weiter.

“Wo hast du bestellt?“ wollte ich wissen

“Im Restaurant“, sagte er.

“Und die anderen Kinder?“ wollte ich wissen, da ich langsam misstrauisch wurde.

“Ich habe für alle bestellt, sie trauten sich nicht“ sagte er weiter

“Und wer zahlte?“ wollte ich wissen.

“Niemand, Glace gibt es in dem Restaurant umsonst“ belehrte er mich.

Klar habe ich ihm erklärt, dass es so nicht geht. Schlussendlich war ich froh, dass er nicht dem ganzen Restaurant eine Glace offeriert hatte. Die paar Franken für die Gewissheit ein grosszügiges Kind zu haben waren mir das wert.

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