Was für ein Tag. Oder wie wenig es braucht damit der Tag ein super Tag werden kann!?
Es ist heiss, ich trage ein Business-Rock in kanariengelb, ein ärmelloses Top und schwitze!! Gerade habe ich mich von meiner guten Freundin im HB Zürich verabschiedet. Sie ist vor vielen Jahren ins Tessin umgezogen und wir sehen uns ein bis zweimal pro Jahr. Heute hat es nur für 30 Minuten gereicht. Sie macht Business, wie ich. Trotzdem lassen sich in 30 Minuten alle Änderungen eines Jahres wunderbar zusammenfassen. Den Kindern geht es gut, die Kleinen gehen schon in den Kindergarten, die Männer sind immer noch fast nie zu Hause und wir beide schmeissen erfolgreich sowohl Business wie auch die Family. Kuss links, rechts. Wir sehen uns bald. Zwei Ladys, die die 40ig überschritten haben.
Und dann fahre ich mit dem Zug in die Hardbrücke. Zum Gleis 21 musste ich sprinten, um den Zug rechtzeitig zu erwischen. Ich steige aus und marschiere zum nächsten Termin in Zürich-West. Ich habe eine Geschäftsbesprechung, es geht um Millionen. Die zu haben oder nicht zuhaben, bewegt alle.
In Gedanken bin ich schon in der Vorbereitung. Dann höre ich eine Stimme „hast du Zeit für ein Kafi?“ Ich gucke in Richtung der Stimme und sehe einen jungen gutaussehenden Mann. Etwa halb so alt wie ich. Ich starre ihn unglaubwürdig an. So was ist mir schon eine Ewigkeit nicht mehr passiert. Ich bin aus der Übung. Mein schweigen und wirrer Blick verunsichern ihn. „Ich meine wirklich nur ein Kafi“, sagt er mit etwas Nachdruck. „Ich habe da eine kleine Bar, wo ich arbeite, komm einfach mit“, sagt er und zeigt Richtung Kino Abaton. Ich finde es nett. Er wirkt scheu aber überzeugend. Es ist ein gutes Gefühl, aber ich kann nicht. Schade! Er sagt mir den Namen seiner Bar.
Alles kommt anders wie so oft im Leben. Der Termin geht ewig, es ist viel Geld im Spiel und wenn ich da rauskomme, nachdem wir eine valable Lösung gefunden haben, ist es bereits dunkel und kalt. Ein wahnsinniger Wetterumbruch hat stattgefunden. Die Pflichten haben wieder mal über den Feierabend gesiegt und jetzt habe ich kalt und will nur noch nach Hause. Aber innerlich geht es mir toll. Danke für die Kafi-Einladung – “you just made my day;-)!!”