Unser Besuch in Ulm


Mein Jüngster (10 Jahre alt) hat den Wunsch geäussert den höchsten Kirchturm der Welt zu besichtigen. Er sagte, dieser wäre in Ulm. Ich war noch nie im Ulm, geschweige denn wusste ich, dass es dort ein architektonisches, kirchliches Baujuwel befindet, das noch dazu das höchste auf dieser Erde ist. Mein Jüngster interessiert sich normalweise eher für Lego und der Besuch vom Legoland wurde schon gewünscht. Den Wunsch einen Kirchturm in weiter Entfernung zu besteigen, hat er bisher noch nie gehabt.

Klar bin ich gefahren, obwohl es über 2 Stunden Autofahrt waren. Zum einem war ich selber neugierig und zum zweiten wollte ich sein Interesse für die Architektur unterstützen. Dazu klettern wir beide gerne, und die Vorstellung den höchsten Kirchturm unter die Füsse zu nehmen, war mehr als reizvoll.

Und ehrlich, falls ihr noch nie in Ulm ward, ich kann es nur empfehlen. Das Ulmer Münster muss man gesehen haben. Es ist imposant, wunderschön und hat eine riesengrosse Kapazität für 20’000 Leute. Man muss sich vorstellen, dass die Stadt zu dem Zeitpunkt als das Fundament gelegt wurde, gar nicht so viele Einwohner gehabt hat. Das wäre wie wenn Zürich heute einen Hörsaal für zwei Milllionen Besucher bauen würde.

Wir haben zuerst das Innere des Münsters besucht. Es ist ein überwältigendes Gefühl, das man hat, wenn man drin steht und sich satt sieht an allen Statuen, Abbildungen und Holzfiguren. Der Raum wirkt luftig und erlaubt der Seele zu fliegen. Mir haben es die Holzfiguren auf dem Chorstuhl sehr angetan. Wir sind von einer zu der nächsten gewandert und haben sie studiert. Wir haben darüber nachgedacht, was waren das wohl für Leute, die da abgebildet sind, was für Schicksale stecken dahinter?

Eigentlich war das alles aber nur das Vorspiel zum Aufstieg. Und der Aufstieg hat es in sich gehabt. Der Turm ist 161 m hoch. Der nächstgrössere Turm ist der Kirchturm in Köln mit 157m, gefolgt von jenem in Strasbourg (142 m) und Wien mit fast 137m (auf den wir schon mit meinem Jüngsten geklettert sind). Es sah für uns nach einem Wettbewerb im Sinne von: „Wer baut den höchsten Turm aus“ aus.

Auch wenn die Beweggründe damals vielleicht nicht gar so edel waren, das Resultat ist atemberaubend in doppeltem Sinne. Um auf den Turm zu gelangen, muss man die steinerne Treppe Stufe für Stufe aufwärts nehmen. 768 Tritte sind es bis zur Spitze bis zu dem winzigen Balkon ganz oben, der so eng ist, dass ein Ausweichen ohne intensiven Körperkontakt gar nicht möglich ist. Dieser Balkon ist vielleicht in 150 Metern Höhe und die Treppenstufen sind steil. Auch wenn die Kondition nicht die beste ist, die Motivation nach oben zu kommen und von der Spitze über die Stadt zu schauen, verleiht Flügel. Ich halte mich für schwindelfrei, aber diese schmale Treppe mit den Fenstern und der Aussicht über viele Kilometer verlangte danach, das innere Unbehagen zu überwinden. Aufgeben wäre mir nicht in den Sinn gekommen, aber mit dem Tempo meines Jüngsten mitzuhalten war schon eine Herausforderung. Und der war nur vom Gedanken getrieben, so schnell wie möglich oben an zu kommen.

Der Blick in die Weite von dem kleinen Balkon ist phänomenal. Von der Altstadt ist nicht viel übrig geblieben, weil die Alliierten die Stadt am 17.12.1944 in Schutt und Asche gelegt haben. Das Münster blieb unversehrt. Wenn das keine Absicht war!

Nach dem Abstieg signalisierte mein linkes Knie, dass ich es überfordert hatte. Aus den Gesprächen rund um mich verstand ich, dass es nichts mit meinem Alter zu tun hat, sondern dass es den Anderen, die den Aufstieg ebenfalls absolviert hatten, gleich geht. Es fühlte sich an, als ob ich die uralte Nähmaschine meiner Urgrossmutter benutzen würde, auf der man noch regelmässig treten musste, um überhaupt nähen zu können. Das Knie zitterte und machte so eine komische, unkontrollierbare Bewegung. Glücklicherweise nur kurz.

Im nahen Klostergarten Weiblingen hat sich dieses Wochenende das Mittelalter ausgebreitet. Und so haben wir unseren Ausflug mit Bogenschiessen, Gauklern, mittelalterlicher Musik, Pergamentherstellung, Mäuse-Vorhersagen und vielen anderen spassigen Sachen abgeschlossen. Nach Hause und zurück in die Gegenwart hat es uns nicht wirklich gelüstet. Aber ebenso wie die Türme nicht bis zum Himmel wachsen, so gehen auch lustige Sachen einmal zu Ende.

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Our visit to Ulm


My youngest (10 years old) had expressed the wish to visit the highest church tower in the world. He said it was in Ulm. I had never been to Ulm, let alone known that there was an architectural sacred jewel there that in addition was even the highest on this earth. My youngest is usually interested in Lego and he has already expressed the wish to visit Legoland. Up to now he has never wanted to climb a distant church tower.

Obviously I drove there, although it takes more than 2 hours by car. Firstly I was also curious and secondly I wanted to support his interest in architecture. Both of us like climbing and the idea of conquering the highest church tower was more than attractive.

And honestly, if you have never been to Ulm, I can only recommend it. Ulm Minster is something you have to have seen. It is imposing, beautiful and has an enormous capacity for 20,000 people. You have to imagine that, when the foundations were laid, it didn’t have so many inhabitants. That’s as if today Zürich built an auditorium for two milllion visitors.

First we visited the interior of the minster. One has an overwhelming feeling, when one sits there and feasts one’s view on all the statues, images and wooden figures. The space feels airy and lends the soul wings. I was very taken by the wooden figures on the choir stalls. We wandered from one to the other and studied them. We wondered who were the people illustrated there, what were their fates?

Actually that was only the prologue to the climb. And the climb was something else. The tower is 161 m high. The next highest tower is the church tower in Cologne with 157m, followed by the one in Strasbourg (142 m) and Vienna with almost 137m (which we have already climbed with my youngest). To us it looked like a competition for: „Who builds the highest tower“.

Even if then the motives were perhaps not so noble, the result is breathtaking in two senses. To reach the tower, one has to take the stone staircase step by step. 768 steps until the top up to the tiny balcony at the very top, which is so narrow that standing aside is not possible without intensive body contact. This balcony is perhaps 150 metres above the ground and the steps are steep. Even if one’s condition is not the best, the motivation to reach the top and look out over the city from the highest point lends one wings. I believe that I have a head for heights, but this narrow staircase with the windows and the view for many kilometres made you overcome the unease. It would not have entered my head to give up, but keeping up with the tempo of my youngest was really a challenge. And he was driven only by the thought of arriving at the top as quickly as possible.

The distant view from the small balcony is phenomenal. Not much is left of the old town, because on 17.12.1944 the allies reduced the city to rubble and ashes. The minster remained unscathed. If that wasn’t intentional!!

After the descent my left knee signaled that I had overstressed it. From the conversations around me I gathered that it had nothing to do with my age, but the others, who had also made the climb, were just as bad. It felt as if I were using the ancient sewing machine of my great-grandmother, on which one had to tread regularly in order to be able to sew at all. My knee was trembling and so made a funny, uncontrollable movement. Fortunately only for a short time.

In the nearby monastery garden Weiblingen, this weekend the middle ages had unfurled. And so we concluded our trip with archery, jugglers, mediaeval music, making pergament, prophecies with mice and many other enjoyable things. We didn’t really want to return home and back to the present. But just as the towers do not grow up to heaven, the fun also comes to an end somewhere.