Michaela Merz


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Ich vermisse das Heulen der Wölfe


Ich bin eine Wiederholungstäterin. Heute Abend werden die Hexen rituell verbrannt, es ist der 30. April. Ich liege im Schäferwagen in einem Wildparadies in der Nähe von Cleebronn und bin ziemlich fertig. Es ist kalt, sehr sogar und ohne Mütze ist es in den letzten 2 Tagen nicht gegangen.
Ich war auch schon letztes Jahr da.

Jeden Morgen haben mich die Wölfe, die nur paar hundert Meter von mir entfernt wohnten, mit ihrem Heulen geweckt. Dieses Jahr sind sie mucksmäuschenstill und nur das Vogelgezwitscher und das Meckern der Ziegen weckt mich am Morgen. Vor dem Frühstück, wenn alle noch schlafen, renne ich den Weg durch den Rebberg bis auf die Spitze zu der kleinen Kapelle. Ich bleibe oben stehen und sehe mich satt an dem hellen Grün der spriessenden Blätter. Das Frühstück wird in der Schenke “Wilde Sau” serviert. Das ist in der Mitte des Wildparadieses, wo man beobachten kann, wie die Rehe, Raubvögel, Pferde und weitere Tiere aufstehen und ebenfalls frühstücken. Am frechsten sind die kleine Ziegen, die einem in wahrsten Sinne des Wortes alles aus der Hand wegfressen, inklusive der Verpackung.

Beim Frühstück beobachte ich die Feriengäste. Es muss mir nicht erzählt werden, wo liebevoller Umgang und wo eine Wüste herrscht. Es wird auch ohne Worte gut ersichtlich.

Den Tag verbringen wir im Vergnügungspark Tripsdrill und vergnügt sind wir. Wir lachen viel, probieren alle Attraktionen, essen gut, ermuntern uns gegenseitig. Die Jungbrunnen Fahrt macht uns nass aber nicht jünger – Gott sei Dank. Die Ehebörse kommt mit Ratschlägen daher und aus dem Brunnen ziehen wir Zwillinge.

Unser Schäferwagen hat einen Fernsehen. Das war auch nicht nötig, wir haben ihn kein einziges Mal eingeschaltet. Wir hatten keine Tassen, dafür fünf Weingläser und keine Toilette, die fehlt umso mehr wenn man mitten in der Nacht durch den Wald laufen muss.

Die Schulkollegen von meinem Jüngsten sind in diesen Ferien an allen Kontinente dieser Erde gereist. Wir knapp drei Stunden von zu Hause entfernt. Wir sahen den Störchen zu, wie sie ihre Nester bauen und füttern die Zwergziegen. Von Exotik, wenn man sich die Toilette im Wald wegdenkt, keine Spur. Es sind aber trotzdem absolut unvergessliche freie Tage. Nur das Heulen der Wölfe hat mir gefehlt.


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Tripsdrill – der erste deutsche Erlebnispark


Was das Kinderherz begehrt? Gute Spielplätze, Tiere zum Bestaunen und Streicheln. Wasserbahnen, Loopingbahnen, Pferdekutschen, Böötli, Karusselle, Spiele und in einem Baumhaus zu Übernachten. Was des Mutters Herz in so einem Kinderparadies begehrt? Genug saubere Toiletten, Verpflegung die nicht nur aus Pommes und Süssigkeiten besteht. Preise, die nicht zum Bankrott führen, gar keinen Wartestau bei den Attraktionen, Sauberkeit und eine gepflegte Umgebung.

Wir hatten einfach Glück. Es ist zweite Hälfte April und die Temperatur klettert fast auf 30 Grad. Sommer am Anfang des Frühlings. Die Deutschen sind in der Schule und wir in der Schweiz haben Frühlingsferien. Der Park ist leer und Stau gibt es gar keinen. Im Jahre 278 n Chr. von den Römern Trephonis Trulla getauft, bezeichnete der Name im Volksmund auch einen Ort, an dem alles Unmögliche möglich ist. 1890 tauchte das erste Bild der sagenumwobenen Altweibermühle zu Tripsdrill auf. In Wirklichkeit wird sie 1929 von Eugen Fischer gebaut. Dies war die Geburtsstunde von Deutschlands erstem Erlebnispark.

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Es gibt in Tripsdrill alles, was das Herz begehrt. Es ist nicht kitschig, mit sehr vielen Ausstellungen über das Leben und Arbeiten in der Vergangenheit. Inmitten der Weinberge, mit Weinausstellung und Degustation, haben wir in einem Wildpark in einem Baumhaus gewohnt. Am Morgen weckte uns das Jaulen der Wölfe, die 300 Meter von uns entfernt schliefen. Wir haben 100 Attraktionen besucht, gespielt, gelacht, gegessen, die Esel gefüttert, die Zwergziegen gestreichelt. Ich bin in eine Altweibermühle gestiegen, wurde nass aber nicht wirklich hübscher und jünger. Mir hat der Heiratsmarkt mit allen Angeboten sehr gefallen.

Wir sind mit der Wiege gefahren, haben Zwillinge aus dem Brunnen gezogen und bestaunten den Hochzeitsumzug und den kernigen deutschen Humor. Drei Tage Spass ohne Ende, super Schlaf in den Baumwipfeln mit nächtlichen Waldgeräuschen, die uns aber nicht im Geringsten störten, weil wir jeden Abend mit meinem Jüngsten so hundemüde waren. Einfach nur glückliche, erfüllte Tage.

Der Erlebnispark schliesst jeden Abend um sechs Uhr. Bei einer unserer fast letzten Fahrten hat uns der Herr gefragt, wo wir wohnen. Ich sagte in dem Baumhaus um die Ecke. Er zwinkerte mir zu und fragte, ob wir noch Platz haben. Ich habe ihn enttäuscht, schliesslich waren wir nicht allein sondern zu viert in den Ferien. Demzufolge zeigt sich, dass man da sogar noch Anschluss findet. Für alle Singles wie auch glückliche Paare oder Familien, ich kann es nur empfehlen.