
Draussen ist es unglaublich heiss, und die einzige wirkliche Abkühlung scheint der See zu versprechen.
Ich habe meinen Badeanzug mit langen Ärmeln, eine Mütze und eine Sonnenbrille angezogen, mich dick mit Sonnencreme mit Schutzfaktor 50 eingecremt und bin zur Seebadi gegangen.
Natürlich war sie voll. Mehr als das. Man konnte kaum einen Platz finden, um ein Badetuch auszubreiten, ohne gleich ein anderes zu berühren – ganz normaler Badi-Stress.
Ich legte meine Sachen ab und ging direkt ins Wasser. Überraschend war, dass es gar nicht erfrischend war. Das Seewasser war so unglaublich warm, dass ich beim Hineingehen nicht einmal ein bisschen gefröstelt habe.
Das Schwimmen war einfach toll. Ich liebe es, weit zu schwimmen und endlich von allen Unterbrechungen frei zu sein. Kopfhörer habe ich im Wasser nie dabei – deshalb ist es einer der seltenen Momente, in denen meine Gedanken frei fliessen und meine Fantasie Luftschlösser in unterschiedlichsten Dimensionen bauen kann.
Ich bin in Richtung Oberwil geschwommen. Weil ich Zeit hatte, konnte ich eine gefühlte Ewigkeit schwimmen. Ich beobachtete die Ufer, das Geschehen am Wasser – aber eigentlich war es wie eine Meditation, und ich war weit weg, irgendwo im Nirwana.
Ich wusste, dass ich leider nicht den ganzen Abend schwimmen kann, sondern irgendwann zurückmuss – zu meinem Computer, um noch ein paar E-Mails zu beantworten, wie ich es heute versprochen hatte. Ich bin seit jeher sehr pflichtbewusst.
Es ging mir auch weniger um den sportlichen Aspekt. Ich bin ganz entspannt Brust geschwommen, mit dem Kopf stets über Wasser, mit Sonnenbrille und Mütze – einfach herrlich. Aber irgendwann, nach meinem Zeitgefühl, musste ich umdrehen.
Eine Uhr hatte ich keine dabei – ich besitze gar keine und will auch keine haben. Es gibt genug Stress, auch ohne Uhr.
Ich drehte also um und schwamm zurück. Nach ein paar Metern sah ich ein Insekt im Wasser – wahrscheinlich eine Biene – das ums Überleben kämpfte.
Ich hätte ihr gerne geholfen, wusste aber nicht wie. Ich war sehr weit vom Ufer entfernt. Ich schwamm weiter, aber die Biene ging mir nicht aus dem Kopf. Nach einigen weiteren Metern drehte ich wieder um, um sie zu suchen.
Es war gar nicht so einfach, sie wiederzufinden, aber schlussendlich gelang es mir. Ich überlegte, was ich tun konnte. Der einzige Ort, wo ich sie deponieren konnte, war meine Mütze.
Ich zog sie aus und versuchte, mit der Aussenseite der Mütze die Biene aus dem Wasser zu fischen. Technisch war das ein ziemlich anspruchsvolles Unterfangen, aber nach ein paar Versuchen klappte es.
Ich setzte die Mütze mit der Biene wieder auf und hoffte, dass sie genug Kraft haben würde, sich mindestens eine halbe Stunde lang zu halten, bis ich das Ufer erreichte.
Dann schwamm ich weiter – und vergass die Biene.
Am Ufer angekommen, erinnerte ich mich wieder an sie. Ich zog die Mütze aus – und ja, die Biene war immer noch da.
Die halbe Stunde an der Sonne hatte ausgereicht, damit sie trocknen konnte. Sie hatte wieder an Volumen gewonnen und war ein ziemlich stattliches Exemplar.
Ich schüttelte sie vorsichtig auf einen Busch, denn auf dem Gras war in der Badi kein Platz, und das Risiko, dass sie jemand zertritt, war zu gross.
Ich kann nicht versprechen, dass diese Geschichte ein Happy End hat – aber ich hoffe es sehr.
Hoffentlich hat die Biene ihren Weg nach Hause gefunden.