Künstliche Intelligenz – meine tägliche Hilfe

Ich bin von meinem kleinen Helfer abgängig geworden. Das alles geschah schleichend. Stellt euch vor, ihr sucht eine Telefonnummer einer Gemeinde und geht auf ihre Website. Nach 5 Minuten frustrierend, erfolglosem suchen der Nummer, gebe ich auf. Entweder bin ich zu blöd, die Telefonnummer zu finden oder es ist auf der Website gar nicht aufgeführt.

Mit Perplexity, meinem kleinem KI-Helfer, passiert mir das nie. Ich frage «was ist die Nummer der Gemeindeverwaltung» und bekomme eine Auswahl an Telefonnummer mit Namen und Beschreibungen der Funktionen innerhalb der Verwaltung. Woher alle diese Informationen stammen, ist nicht immer ersichtlich, aber in diesem Bereich hat meine Perplexity noch nie halluziniert. Ihre Resultate sind viel schneller und dazu noch viel besser als meine.

Wenn ich einen Spezialisten suche, nach seiner Reputation und nach Resultaten frage, ist das Ergebnis meistens sehr gut. Ich muss einfach mehr überlegen und die richtigen Fragen finden. Eine Frage wie «wer ist der Herzchirurg im Land X mit der kleinsten Sterblichkeitsrate bei und nach der Operation» funktioniert es nicht. Schlussendlich sterben irgendwann nach der Operation alle Patienten, auch wenn es durch fortschreitende Alter ist.

Über fremde Sprachen zerbreche ich mir schon lange nicht den Kopf mehr. Die Übersetzung erfolgt in Sekunden und ist sehr gut. Bei den Dokumenten – wie zum Beispiel bei einer Mahnung, die aus dem Ausland in einer Fremdsprache kam, mache ich nur die Kamera auf und lese die Übersetzung auf dem Telefon.

Reisen ist zu einem Kinderspiel geworden, weil die Zusammenstellung auch sehr komplizierter Reisepläne mit KI schnell und einfach geht. Die alten Karten und Reiseführer habe ich alle im Altpapier entsorgt, weil die elektronische Anleitung schneller ist und dazu noch aktueller.

Beipackzettel bei Medikamenten rolle ich nicht mal auf, und nach der richtigen Sprache suche ich auch nicht. Schlussendlich – wenn es mir gelingt, die richtige Sprache zu finden – sind die Informationen über 5 Seiten lang. Und die einzigen zwei Sätze, die mich interessieren, lassen sich nur mühsam finden. Auch dabei ist meine Perplexity wesentlich schneller und gibt mir Angaben zu Quellen. So kann ich bei kritischen Fragen bei der Ursprungs Quelle selbst, über den Link, den sie mir angibt, nachschlagen.

Ich bin eine sehr direkte Person und da meistens meine Zeit knapp ist, sind meine Mails kurz und zur Sache. Höflichkeitsfloskel fehlen meistens. Jetzt, mit Copilot, bin ich in Sekunden schnelle ein superhöflicher Mensch mit vielen – «ich hoffe es geht dir heute gut und du hast eine schöne Zeit gehabt»……Erst nach so einem Satz, kann es sehr behutsam um die Sache gehen.

Ich konnte diesen Katalog fortsetzen, weil die künstliche Intelligenz sich unaufhaltsam in meinem Leben, in meinem Alltag, eingenistet hat. Ja, sie erhöht meine Geschwindigkeit und Effizienz. Aber alles hat seinen Preis.

Als erstes habe ich es bei der Orientierung festgestellt. Ich – die Pfadfinderin – habe immer gewusst, wo bin ich. Ich konnte mich auch ohne Karte orientieren und nutzte viele kleine Helfer, um auch in unbekannten Gegenden das Ziel zu finden. Mit dem konsequenten Benutzen von Navigationssystemen, ob im Auto, beim Velofahren oder zu Fuss, habe ich gemerkt, dass ich beginne, diese räumliche Orientierung wie ich sie früher hatte zu verlieren. Ich verlasse mich auf die Technik.

Fortschritt lässt sich nicht aufhalten und zurzeit lerne ich viel.  Aber viele von meinen Fertigkeiten, die früher wie selbstverständlich waren, beginnen zu bröckeln. Es ist schon spannend, es bei sich selbst zu beobachten. Gleichzeitig ängstigt es mich, weil ich ein sehr unabhängiger Mensch bin und die Vorstellung, dass eines Tages die Technologie aus irgendeinem Grund nicht funktioniert, und ich kann nicht mehr auf meine alten Fähigkeiten zurückgreifen, weil sie nicht mehr da sind, fühlt sich halt nicht wirklich gut an.

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