Meine Jugend habe ich im letzten Jahrhundert erlebt. Das Resultat = mehrere Schachteln voll von Liebesbriefen. Das machte man früher so. Meine Verehrer schrieben viel und gerne. Und nicht nur Briefe.
Mein „Marktwert” ist damals nach einer PR-Aktion extrem gestiegen: Ich kam zum Unterricht ans Gymnasium und im Hof beim Eingang stand mit grossen weissen Lettern geschrieben: „Michaela, ich liebe Dich“. Die Buchstaben waren riesig, die Farbe von sehr guter Qualität und ich die einzige Michaela am Gymnasium. Ab diesem Tag kannten mich alle. Und mich hat es geärgert (ich verstand damals noch nichts von PR), denn den Autor mochte ich überhaupt nicht. Seine Schrift war bis zu den Sommerferien klar und deutlich lesbar. Ich wurde dann im Herbst als Schüler-Sprecherin gewählt und habe einiges über Werbung und deren richtiges Timing gelernt.
Eine zweite PR-Aktion bekam ich an der Hochschule. Zum Vorlesungsgebäude musste man durch eine Unterführung gehen. Eines Tages stand da „Michaelas Brücke“. Den Autor habe ich sehr gemocht. Aber der PR Effekt war zu gering: Es gab viel zu viele Michaelas und die Universität war zu gross, um sich überhaupt zu kennen. Falsche PR ohne Wirkung.
Werbung in eigener Sache ist sehr heikel. Es klingt arrogant, wenn Sie selber sagen: „Ich bin der beste Berater, Spezialist etc.“. Es klingt schon viel besser, wenn ein Dritter sagt: „Ich habe gehört, er/sie ist der beste Berater, Spezialist etc.“. Was aber wirklich überzeugt, ist wenn jemand sagt: “Ich habe schon so einiges probiert. Aber er/sie ist der beste Berater, Spezialist etc.!“.
Die beste PR-Aktion hat dann vor Jahren die eidgenössische Steuerverwaltung für mich gemacht: Ich hatte einen Kunden, der sich geweigert hat die Umsetzung der damals frisch eingeführten Mehrwertsteuer in der Schweiz ernst zu nehmen. Nichts hat geholfen, er wollte meine Ratschläge einfach nicht umsetzen. Bis er eines schönen Tages eine Mehrwertsteuerrevision im Hause hatte. Der Inspektor der Steuerverwaltung hatte das Unternehmen geprüft und weil in der Buchhaltung grosse Unordnung herrschte, musste er eine Schätzung vornehmen. Dies hatte dann eine saftige Aufrechnung zur Folge. Ich durfte die Aufrechnung auseinandernehmen und zusammen mit dem Kunden alles bereinigen, was man bereinigen konnte. Das war langwierige Kleinstarbeit. Nach unzähligen Stunden konnten wir eine saubere Abrechnung präsentieren. Die Nachzahlung war zwar immer noch hoch, aber um einiges tiefer als die grobe Schätzung des Inspektors. Der Inspektor schaute sich die Berechnung in der letzten Besprechung an und sagte: „Wenn es Frau Merz gemacht hat, wird es wohl stimmen.” Er übernahm dann nach kurzer Überprüfung unsere Zahlen.
Es lebe die gute PR zum richtigen Zeitpunkt!!