Prime Tower

Ich bin im 9. Stock gross geworden. Bis zu meinem 21. Geburtstag habe ich in einem Hochhaus gewohnt. Das Haus war auf einem Berg und hatte somit fast eine Panorama-Aussicht auf eine Millionenhauptstadt. Die Fenster waren riesig und die Sicht phänomenal. Ich bin oft vor dem Fenster gestanden und habe die Stadt beobachtet. Es läuft immer etwas. Die Stadt verändert sich jede Sekunde und es ist in der Nacht genau so spannend wie während dem Tag. Ich habe vor meinem Fenster geträumt. Die Träume flogen weit weg und kamen mit einem Bogen wieder zurück. Ich war mir gar nicht bewusst, was für ein Privileg eine solche Aussicht mit Weitsicht ist.

Mit 21 habe ich meine erste Wohnung im 2. Stock bezogen. Die Strasse war eng. Das nächste Haus war bloss durch zwei schmale Trottoire und einem schmalen „Strässlein“ von meinem Haus getrennt. Man blickte in die Küche des Nachbarn. Langweilig, da er nie zu Hause war. Ich bin dann noch ein paar Mal umgezogen und mein Ausblick war mal ein bisschen besser und dann wieder schlechter. Mit der phänomenalen Aussicht von meinem Kinderzimmer aus, liess sich keiner meiner bisherigen Wohnung messen.

Bis gestern. Ich besuchte den „Prime Tower“ und mein Atem ist stehen geblieben. Die Sicht ist umwerfend! Die Stadt Zürich liegt einem zu Füssen in seiner Fröhlichkeit, Farbigkeit und Hektik (die Hardbrücke). Ich stand bei dem Fenster und sah die Gleise, die Strassen, Häuser, den Zürichberg und Uetliberg. Einfach beeindruckend. Ich klebte an dem Fenster und es war extrem schwierig mich wieder davon loszureissen. Die Kindheit war mit diesem Ausblick zurückgekehrt.

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Wie beeinflusst jemanden so ein Ausblick? Wie wirkt sich so ein Ausblick auf jemanden aus, wenn man ihm beim wohnen oder arbeiten geniessen kann? Ich habe seit der Kindheit den Drang immer auf einen Berg, Baum oder Turm zu klettern um eine solche Aussicht zu haben. Wenn ich die Aussicht habe und den Ausblick geniessen kann, drängt es mich dorthin zu laufen, wo man die interessanten Sachen entdecken kann. Die Schweiz hat den grossen Vorteil, dass wenn man sich keine Wohnung mit Ausblick leisten kann, kann man am Wochenende auf den Pilatus, Rigi oder sonst irgendeinen Berg aufsteigen und dort die geniale Sicht geniessen. Vielleicht ist es auch ein Grund, warum soviel Leute in der Schweiz über die Spitze der eigenen Nase schauen. Schliesslich sind sie sich die Weitsicht gewohnt.

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