Meine Liste der Dinge, die ich machen sollte, bevor ich sterbe

Nein, es hängt keine Liste bei mir zu Hause, wo ich Punkt für Punkt durchstreiche sofern das Ziel erreicht ist, von den Sachen, die ich immer schon einmal machen wollte, aber noch nicht machen konnte.

Es ist in meinem Kopf, nicht wirklich klar und vollständig, aber es ist da. Bestimmte Sachen sind einfach nur Träumerei und das wusste ich eigentlich auch als ich sie auf die unsichtbare Liste gesetzt habe. Bestimmte Dinge sind einfach Sehnsüchte wie wir sie alle haben, und die vielleicht mit sehr viel Glück irgendwann einmal doch noch in Erfüllung gehen können und viele sind durchaus machbar, aber super anstrengend. Ziele, wie zum Beispiel einmal an einen bestimmten Ort zu fahren, gibt es auf meiner Liste nicht.

Auf meiner Liste war auch mal einen Berg hoch zu rennen. Wenn ich den Kopf lüften muss, gehe ich auf den Berg. Dank Corona und der Tatsache, dass ich den Kopf sehr viel lüften muss, bin ich letztes Jahr irgendwann mal die sehr steile Strecke, die ich normalerweise laufe, hochgerannt. Aber es war trotzdem ein «Beschiss» mir gegenüber. Das ist eigentlich nur eine Teilstrecke, nur bis zur St. Verena Kapelle. Aber der Berg ist viel grösser. Während normalem Tagesbetrieb mit all meinen Pflichten, schaffe ich es bis zur St. Verena und zurück aber nicht auf die Spitze. Das geht schlichtweg zu lang.

Am Sonntag hätte es regnen sollen. Mein Programm war somit bestimmt, ich wollte zum Yoga und habe mich richtig gefreut. Es ist nichts befreiender als sich auf den Kopf zu stellen, die Glieder bis fast zur Schmerzverengen zu bringen und nach der ganzen Anstrengung einfach flach hinzuliegen und sich irgendwo in der Unendlichkeit zu verlieren und dem Körper die verdiente und vollständige Entspannung zu gönnen. Es hat aber nicht geregnet. Es war bewölkt, relativ warm aber kein Tropfen Regen. Unsere Yoga Instruktorin zieht es dann immer nach draussen. Ich prüfte die Website und tatsächlich anstelle von Yoga im Raum mit Sicht auf den See, wären wir auf der Wiese. Ich kann auf der Wise alle die Übungen machen aber aus irgendeinem Grund kann ich mich dort danach nicht entspannen und somit verpufft die ganze Anstrengung. Es braucht einen Plan B. Ich entschied mich rennen zu gehen. Es dauerte nicht lange und ich konnte aufbrechen.

Es war früh am Morgen am Sonntag, die Stadt schlief noch, die Strassen waren leer, die Luft war frisch und roch noch nach Regen. Ich konnte mit einer unglaublichen Leichtigkeit rennen und es dauerte gefühlt nur ein paar Minuten und ich war bei der St. Verena Kapelle. Durch den Kopf blitzte mir die Idee, dass heute der Tag gekommen ist, an dem ich ganz nach oben zur Spitze des Berges rennen kann. Das Wetter war perfekt – die Temperatur genau richtig, leicht bewölkt, kein Regen. Wie Forrest Gump rannte ich weiter und es fühlte sich einfach toll an. Ich war allein und begegnete niemandem. Nur Geräusche zeugten über Anwesenheit von anderen. Die Kuhglocken, das Jauchzen von den drei Gleitschirmfliegern die im Nebel verschwanden, welcher sich auf dieser Stelle des Berges bildete.

Ich kam zur Spitze und war verschwitzt und ziemlich rot im Gesicht aber überhaupt nicht müde. Eigentlich konnte ich weiterrennen, vielleicht bis zum Mittag, vielleicht bis zum Abend. Irgendwie hat alles gestimmt und ich hatte sehr viel Kraft. Ich hatte mich aber nicht getraut. Das letzte Mal, als ich dieses Gefühl der Leichtigkeit beim Laufen hatte, war in Madrid wo ich am Sonntag sehr früh am Morgen 2.5 Stunden gelaufen bin und danach eine Achillessehne Entzündung hatte. Leider bin ich zurzeit nicht wirklich trainiert, um ein Marathon zu absolvieren. Aus Respekt vor meinem eigenen Körper stoppte ich, aber eigentlich fand ich es schade.  Das Rennen war befreiend, fühlte sich einfach und nicht anstrengend an und erlaubte mir die innere Ruhe zu finden.

Aus der Liste ist es gestrichen. Aber wer weiss, vielleicht war es nicht das letzte Mal, wenn ich jetzt weiss, dass ich es kann. Zurück bin ich mit der Bahn gefahren. Bergab laufen finde ich nämlich nicht so inspirierend.

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