Michaela Merz

Der Sturm "Sabine"

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Ich habe Karussells, Achterbahnen und ähnliches nicht gern. Bei dem Spass, den alle anderen verspüren bin ich leicht neidisch, weil ich so einen Zustand gar nicht erreichen kann. Der Grund ist, dass mein Magen und Kopf das nicht mitmachen. Das was anderen grosse Zufriedenheit und viel Spass bereitet, ist für mich mehrheitlich eine Qual und ich sehe nicht ein, warum ich für so etwas noch Geld bezahlen sollte. Deswegen bin ich eigentlich eine schlechte Kundin für alle Chilbis. Leider geht meine Empfindlichkeit noch weiter. Auf dem Wasser (obwohl ich Wasser über alles liebe) kann mir von den Wellenbewegungen schlecht werden und in Bus und Zug fahre ich immer nur in Fahrtrichtung um die Irritationen meines Magens zu vermeiden.

Jetzt bin ich von Prag nach Zürich geflogen und es war lange gar nicht sicher ob wir planmässig abheben können. Der Orkan «Sabine» hat sehr erfolgreich grosse Teile von Europa lahmgelegt. Deutschland hat den Flugverkehr sowie einen grossen Teil des Bahnnetzes komplett eingestellt. Die Schulen an vielen Orten blieben geschlossen und die öffentlichen Einsatzkräfte wurden aufgestockt, damit sie die umgefallenen Bäume schnell wegräumen und die Strassen freigeben können.

Ich hatte mir schon einen Alternativplan überlegt, falls der Flug nicht durchgeführt wird. Da mein Flug jedoch ziemlich spät am Tag war, fast um 20 Uhr, dachte ich, dass trotz der Annullierungen am Morgen doch noch eine Chance für uns besteht. Ich behielt Recht. Der Flug wurde planmässig durchgeführt und zu meiner Überraschung war er nicht mal ganz voll. Der Anfang verlief ganz friedlich und der einzige Grund wie man bemerken konnte, dass es einen Orkan in der Nähe gibt, war die Tatsache, dass keine heissen Getränke serviert wurden.

Da kam schon die Meldung, dass wir uns dem Reiseziel Zürich nähern und mit dem Sinkflug beginnen. Wir waren quasi nur ein paar “Flugschritte” von zu Hause entfernt und da begann es zu rütteln. Und wie!! Wie waren wie Stoffpupen, die in einer Box hin und her geworfen werden. Mein Magen und mein Kopf signalisierten ganz klar, dass es ihnen überhaupt nicht gefällt und dass sie nicht bereit sind weiter mitzumachen. Leider hatte ich keine Wahl. Die Sekunden fühlten sich wie Stunden an und der Sinkflug war unendlich lang. Ich spürte wie jegliche Farbe aus meinem Gesicht verschwand. Ich begann mich zu fragen ob ich den Inhalt meines Magens wirklich behalten kann. Zum meinem Glück war meine letzte Mahlzeit sehr lange her und das hat sicher geholfen.

Als es wirklich unerträglich zu werden begann, merkte ich, dass wir wirklich dabei waren zu landen. Die Landung war sehr hart und holprig aber durchstarten mussten wir nicht. Alle Passagiere haben lange applaudiert, ich auch. Wir alle waren sehr dankbar. Was für ein super Job der Pilot heute abgeliefert hat. Beim Verlassen des Flugzeuges merkte ich, dass alle Passagiere kreideweiss im Gesicht waren. Ich war dazu noch verschwitzt und fühlte mich sehr unwohl. Der einzige Gedanke war jetzt noch ins Bett zu liegen und zu schlafen.

Für alle Fans von Abenteuerbahnen, so ein Sturm ist wirklich ein Erlebnis. Solange ihr keine Angst habt, wird es sich für euch lohnen es auszuprobieren. Für mich wird eine Verschiebung der Reise in der Zukunft die bessere Option sein.

Image Source: unsplash.com

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