Michaela Merz

‎Der Tod (eine Buchempfehlung)

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der Tod 1Wir sind unsterblich. Die Mehrheit von uns benimmt sich so.
Der reale Tod wird versteckt, verbannt, beschönigt. Der reale Tod macht Angst. Den realen Tod gibt es nicht.

Der fiktive Tod wird zelebriert, verkaufsfördernd eingesetzt, voyeuristisch ausgeschlachtet in Filmen, Büchern, Nachrichten.

Mein Kleiner (fast 9) macht sich Gedanken über den Tod. Kürzlich wollte er mit mir diskutieren, wo er wäre, wenn ich sterben würde. Ich traute mich nicht zu sagen, dass es leider nicht mein eigener Entscheid wäre, auch wenn ich es in meinen letzten Willen schreiben würde. Der Entscheid wäre bei KESB (Kinder und Erwachsenenschutzbehörde). Ich glaube, das ist es. Wir fürchten uns nicht so sehr vor dem Nichtsein, als vor dem Schmerz und Kontrollverlust. Der Gedanke, dass mein Kleiner nicht bei einer seiner grossen Schwestern, sondern in einem Heim (egal wie gut und pädagogisch wertvoll) aufwachsen sollte, schaudert mich und macht mir Angst. Ich kann nicht sterben bevor er auf eigenen Beinen stehen kann (ALS OB ICH ES ENTSCHEIDEN KÖNNTE, wann ich sterbe!!!).

Früher dachte ich, dass wenn man alt ist, man einfacher mit dem eigenen Tod umgeht. Schlussendlich weiss man, dass sich die Endstation nähert, wo alle, aber wirklich alle aussteigen müssen. Dem ist aber nicht so. Ich habe erst mit der Zeit begriffen, dass sich die Älteren mit dem Tod nicht einfacher tun. Ich habe Leute erlebt, die sterben wollten, um von Schmerz und Enttäuschung erlöst zu werden. Ich sah aber viel mehr solche, die trotz schwerer Krankheit und grossen Schmerzen für jeden Tag mehr auf diese Erde gekämpft hatten.

Ich sah vor 30 Jahren meine Grossmutter als sie im Sterben lag. Niemand hat es mir damals gesagt, niemand hat mich auf das was kommt vorbereitet und ich habe selber nicht erkannt, dass es soweit war. Meine über alles geliebte Grossmutter!!

Sie haben verhindert, dass ich sie sehen konnte als sie starb. Ich sollte ihr Bild wie sie war als Lebende behalten, war der Spruch dazu und ich beugte mich, da ich etwas Schreckliches erwartete. Ich konnte mich so nicht wirklich verabschieden. Ich konnte nicht mehr ihre Hand streicheln, ihr ein Kuss aufdrücken und ihr sagen, wie unermesslich gern ich sie habe. Sie ist auch nach 30 Jahren Teil meines Lebens, begleitet mich. Die grosse Liebe lässt sich durch den Tod nicht löschen. Ein wunderbarer Gedanke.

Ich mag mich noch an einen anderen Tod vor vielen, vielen Jahren erinnern. Einer der Dorfjungen kam mit Luftgewehr und schoss auf alles, was sich im Gras bewegte. Niemand von uns glaubte, dass er etwas treffen würde. Aber er traf. Einen kleinen Hasen direkt in den Bauch. Ich kann noch heute nach so vielen Jahren meine Wut und Verzweiflung von damals spüren. Der kleine warme Körper mit einer Blutlache und schnellem Atem. Ich schrie die Jungs an, dass sie Verband holen sollen. Ich hielt der kleinen Hasen in meinen Händen und weinte über die eigene Hilflosigkeit. Es war ihm nicht wirklich zu helfen. Die Därme quollen aus dem Bauch. Die Jungs waren inzwischen mit dem Verband gekommen. Mir raste durch den Kopf, dass es besser wäre dieses kleine Wesen schnell zu töten, aber ich konnte nicht. Stattdessen band ich ihm die Därme zurück in Bauch. Das Blut durchtränkte den Verband und kurz darauf starb er.‎ Wie alt war ich damals? Vielleicht 10. Aber das Gefühl der Hilflosigkeit von damals kann ich mir immer noch in Erinnerung rufen.

Ab und zu läuft einem ein Buch über den Weg, das einem zum Nachdenken bringt. Das ist mir mit dem Buch „Die Flockenleserin“ von Mike Powelz passiert. Falls ihr keine Angst habt, euch mit dem Tod auseinanderzusetzen und ein unglaublich spannendes und authentisches Buch dazu sucht, dann ist dieses Buch die beste Lektüre.

Bildquelle: http://www.pixabay.com

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