Michaela Merz

‎Verlängertes Wochenende in Wien

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Man kann Wien auf zwei Arten entdecken. Man kann sich zu Hause einen Plan vorbereiten und zielstrebig durch die Stadt gehen und einen Bruchteil des Vielen, was es da zu sehen gibt, ‎anschauen. Oder wie ich und mein Jüngster (7), die zu Hause schlechthin gar keine Zeit hatten, die sich einfach durch spontane Idee leiten lassen und ohne jede Systematik und Gewichtung einfach durch die Stadt schlendern und Eindrücke sammeln, wie etwa im Museum die mit einer Stecknadel befestigten Insekten bewundern. 

Wir haben am Naschmarkt angefangen. Eine endlose Reihe von Ständen mit unzähligen guten Sachen von Früchten, Käse, Fleisch, Trockenobst, Wurst, Gewürzen, Gebäck, Essig, alles ist da. Die Verkäufer locken mit gratis Proben und bis wir durch waren, hatte mein Jüngster einen so vollen Bauch, dass an Mittagessen nicht mehr zu denken war. Und da wir am Ende des Marktes angefangen haben, war es das beeindruckende Haus der Secession an der Friedrichstraße 12, das auf uns als Überraschung wartete. Ich bin ein grosser Fan von Klimt und seine Wandmalerei in diesem Gebäude ist mystisch, rührend und gleichzeitig zeitgemäss. Der Eintritt von 9 Euro pro Person allerdings wie alle Eintritte in Wien recht teuer.

Dann besuchten wir den Stephansdom und sind auf seinen Turm mit über 300 Treppen geklettert. Meinem Kleinen schien der Name schwierig und er taufte ihn im Handumdrehen in Plankton um. Wir bewunderten das farbige Dach aus tschechischen Ziegeln und haben uns lang unterhalten, was passieren würde, wenn sich einer bei dem Aufstieg in diesem schmalen Turm ein Bein bricht und nicht mehr gehen kann. Holt ihn die Rettung mit Helikopter via Dachfenster? Oder muss er auf dem gesunden Bein nach unten humpeln? Da es wieder angefangen hatte zu regnen, versteckten wir uns im Schmetterlingshaus und bewunderten das Wunder der Schlüpfung und die unendliche Farbpracht. Habt ihr gewusst, dass es tatsächlich Schmetterlinge gibt, die tierisches und menschliches Blut als Nahrung haben? Ich nicht. So was wurde mir im Gymnasium in Zoologie vorenthalten. Aber solche fliegen zum Glück in Wien nicht.

Karlskirche‎ hat uns mit einem Lift und Stiegen im Inneren bis paar Zentimeter unter die höchste Kuppel geführt. Aus dieser Höhe habe ich noch nie eine Kirche gesehen.

Wir haben aber auch Kuchen und Kaffee in einem dieser zuckersüßen Konditoreien gegessen wie auch ein Wiener Schnitzel in Restaurant Kuckuck verschlungen.

Und was wäre Wien ohne den Prater?! Ein Vergnügungspark, wo mein Kleiner vor Vergnügen ‎gequietscht und geschrien hatte, wo wir aus dem Wasserhahn bis auf Unterhose nass wurden, wo wir im Schweizerhaus Kuttelflecksuppe und Mohnnudeln assen und mein Jüngster zum ersten Mal im Leben ein Kindermotorrad gefahren ist.

Die zwei beeindruckendsten Sachen, die wir gesehen hatten, waren zum einem‎ das Kraftwerk, das im Hundertwasser-Stil eine märchenhafte Schönheit ausgestrahlt hatte wie ich sie bei einem Industriewerk noch nie im Leben gesehen hatte.

Und das zweite waren die Räumlichkeiten von Sisi, wo mein Jüngster Sisi und ihr Leben für sich entdeckt hatte. Er hörte fasziniert zu wie eine Frau 4 bis 12 Stunden pro Tag mit ihrer Haarpflege verbrachte. Verständlich nur, dass wenn bei ihr die Haartrocknung 12 Stunde dauerte, da es damals keine Haartrockner gab, sondern nur heisse Tücher, sie so eine Tortur nur einmal im Monat absolviert hatte. Sie ritt und turnte gerne, in ihrem Arbeitszimmer hingen Turnringe und standen andere Turngeräte. Nur ein starkes Parfum konnte dann Abhilfe schaffen. Nicht minder faszinierend fand mein Kleiner das Fusswaschen, das die Kaiserin und der Kaiser am Gründonnerstag bei Bedürftigen eigenhändig vornahmen. Wir fragten uns, ob die ausgewählten Bedürftigen sich am Tag zuvor einem gründlichen Reinigungsprozess unterziehen mussten, um der offensichtlich eitlen Kaiserin genehm zu sein.

Man kann viel in einem langem Wochenende in Wien sehen.‎ Mein Kleiner denkt immer noch über Sisi nach. Ein Fan von Wien zu werden ist einfach.

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