Die Heizung

Meine erste Wohnung war genial. Zwei Zimmer mitten im historischen Zentrum von Prag. Das Haus wurde um 1860 gebaut und die Raumhöhe betrug 3.60m. Ich war stolz auf meine erste Studentenwohnung, bei der die Miete fast nichts kostete. Die Tatsache, dass die Wohnung weder ein Badezimmer, warm Wasser, eine Zentralheizung noch eine Toilette hatte, hat mich damals mit knapp 20 Jahren nicht gestört. Die Toilette war draussen im Korridor und mehrere Parteien haben sich die Toilette geteilt. Geduscht habe ich im nahem gelegenem Schulheim, wo meine Studienkollegen wohnten. Im Sommer war die Wohnung paradiesisch und es hat kaum ein Abend gegeben, bei dem ich kein Besuch oder Party hatte. Die Winter hingegen waren hart. Die kleine Kohlenheizung war mühsam zu bedienen. Man musste die Kohle vom 2. Untergeschoss in den 4. Stock nach oben ,ohne Lift, schleppen. Die Kohlenheizung erlosch auch relativ rasch, so dass, wenn ich die Wohnung für mehrere Stunde verlassen musste, kehrte ich wieder in die Kälte zurück. Und in der Nacht auf die Toilette zu gehen, glich einer mittelalterlichen Tortur.

Ich experimentierte. Wenn ich heizte, hatte ich eine Zimmertemperatur von 17 Grad Celsius gehabt, wenn ich nicht heizte, hatte ich Dank den Nachbaren 13 Grad gehabt. Nach kurzem Überlegen hatte ich mich fürs nicht Heizen entschieden. Ich habe damals Unmengen von warmen Socken, dicken Pullovern, Mützen zu Hause getragen. Ich trank heissen Tee oder Glühwein und lernte im Bett. Partys und Besucher blieben im Winter aus. Die Wärme gehört nun mal zu den Grundbedürfnissen eines jeden Menschen. Für mich hatte es gestimmt. Ich habe in meiner wunderbaren Wohnung fast 4 Jahre mit extrem tiefen Kosten gewohnt.

Heute wohne ich in einem tollen Haus mitten in Zürich. Das Haus ist 4 Jahre alt und ich habe es schon fertig gekauft. Die Geschichte wiederholt sich. Sobald die Temperatur draussen unter minus 8 Grad sinkt, funktioniert meine Heizung nicht mehr richtig und ich habe im Haus 17 Grad. Dieses Problem wiederholt sich fast jeden Winter (letztes Jahr nicht, da der Winter zu warm war). Der Thermometer sinkt und ich friere. Unzählige Spezialisten waren bei mir. Sie haben die Anlagen geprüft und dabei nur mit den Köpfen geschüttelt. Haben ein Vorschlag gemacht, was zu tun ist – und ich habe zugestimmt. Schliesslich verstehe ich nichts von Erdsonden und Erdwärme. Resultat war, dass man erst Ende Winter Anpassungen an der Anlage machen konnte, ich bekam eine Rechnung und alles sollte theoretisch in Ordnung sein, bis zum nächsten Winter mit minus 10 Grad. Dann hat sich die Geschichte wiederholt.

Heute ist Glühwein keine Lösung des Problems mehr. Ich habe schon unzählige Male innerlich denjenigen zum Teufel gejagt, der die Anlage gebaut hatte. Die Lösung ist noch lange nicht in Sicht und ich behelfe mir mit Holzverbrennung im meinem eher dekorativem Cheminee, Heizstrahler (aber ich knirsche mit den Zähnen bei der Vorstellung der energetischen Ineffizienz) und viel Backen und Kochen.

Fazit der Geschichte – es gibt keine Lösung, die sich ohne weiteres zweimal anwenden lässt und die Fortsetzung der Geschichte folgt bestimmt!!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s