Michaela Merz

„Verkehrte Welt“ oder „Das Parkmanöver“

Leave a comment

Die beste Parkgeschichte ist mir vor 22 Jahren in Winterthur passiert:

Ich hatte einen wichtigen Arzttermin. Ich war im 8. Monat schwanger und mein Bauch war so gross wie eine Trommel. Ich passte gerade noch so hinter das Lenkrad meines roten Mazdas. Auf dem Rücksitz ein knapp einjähriges – weinendes – Baby. Ich war sehr spät dran. Endlich sehe ich einen freien Parkplatz. Allerdings einen extrem engen Parkplatz in einer Parkreihe. Ich denke:  „Dass schaffe ich nie!“. Das weinende Baby macht mich zusätzlich nervös. Die ersten Schweisstropfen bilden sich auf meiner Stirn und dabei habe ich noch nicht einmal mit dem Parkmanöver angefangen. Ich schaue auf die Uhr und reisse mich zusammen: Ich habe keine Zeit. Ich habe keine Alternative, wenn ich den Termin nicht verpassen möchte, ich muss. Los geht’s! Wie auf Kommando weint das Baby lauter und lauter. Seitlich heranfahren, parallel auf der Höhe des vorderen Fahrzeugs, geradeaus nach hinten, beim Erreichen des richtigen Winkels: Volle Drehung. Der erste Versuch hat nicht geklappt. Ich bin zu nervös. Noch einmal versuchen. Auch der zweite Versuch scheitert. Mein Baby auf der Rückbank schreit lauter und lauter. Der Schweiss läuft mir mittlerweile den Rücken herunter. Beim vielleicht 10. Versuch bin ich der Verzweiflung nahe. Die Parklücke ist so klein! Und dann endlich: Der richtige Dreh und ich bin drin! Ich habe gewonnen! „Nur nicht aufgeben“ muss man sich immer sagen.

Ich steige aus dem Auto und packe den Kinderwagen aus, beruhige das Baby und will los laufen zu meinem Arzttermin. Zu spät bin ich jetzt schon. Plötzlich hält neben mir ein Polizeiwagen an. Das Fenster wird nach unten gekurbelt: „Grüezi” sagt der Polizist höfflich und lächelt mich an. „Grüezi” antworte ich in voller Erwartung darauf was jetzt kommt. „Mir händ d’Meldig überchu, dass irgend äs rots Auto probiert hät izparkierä und diä parkiertä Autos beschädigt hät. Händ Sie öppis gseh?”.

Ich stehe neben unserem roten Mazda. Bin selbst rot wie ein Krebs von der ganzen Aufregung und Anstrengung des Parkmanövers. Ich habe kein Fahrzeug beschädigt und wundere mich was es für Menschen gibt. Warum kommt niemand um mir seine Hilfe anzubieten? Warum wartet man bis etwas „passiert“ und ruft besser die Polizei als zu helfen? Verkehrte Welt.

Dann schaue ich den Polizisten mit meinem unschuldigsten Blick an, zu dem ich zu dem Zeitpunkt fähig bin (schlussendlich bin ich unschuldig) und sage: „Kei Ahning, ich ha nüt gse.” Und maschiere davon.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s